top of page

Was ein verlorenes Viertel wirklich kostet

Autorenbild: Helmut Demmelhuber
Helmut Demmelhuber
5. Okt.
18 Min. Lesezeit

Vorbeugen, Erstversorgung, Weitermelken, Rechnen: was der Betrieb bei Zitzenverletzung, chronischer Mastitis und Viertelverlust tatsächlich in der Hand hat

 

HELMUT DEMMELHUBER  |  UNTERNEHMENSBERATER UND HOLSTEINZÜCHTER

Ein dauerhaft ausgefallenes Euterviertel beendet die Nutzungsdauer einer Kuh nicht automatisch. Es verändert ihre Leistung, ihre Zellzahl und die Rechnung, die über ihren Verbleib entscheidet. Dieser Beitrag geht vier Fragen in fester Reihenfolge nach: Woran lässt sich vorbeugen, was ist in den ersten Stunden nach einer Verletzung zu tun, was leisten drei Viertel tatsächlich, und wie lebt und rechnet man mit einer Dreistrichkuh. Grundlage sind veröffentlichte Studien, die Zuchtwertschätzbeschreibung des vit und die Abgangsstatistik des vit-Gebietes. Der Beitrag argumentiert methodisch und nicht aus eigenen Betriebsfällen.

Zwei Wege in dieselbe Lage

Der Tritt der Nachbarkuh, das Hängenbleiben an der Stalleinrichtung, die Quetschung im Fanggitter – das sind die Bilder, die einem zur Dreistrichkuh zuerst einfallen. Sie sind nicht falsch, aber nur die eine Hälfte der Geschichte, und vermutlich nicht die größere.

Der zweite Weg ist leiser und dauert länger. Ein Viertel entzündet sich, wird behandelt, beruhigt sich, entzündet sich wieder. Irgendwann lautet die Frage nicht mehr, ob man es noch einmal therapieren kann, sondern ob man es noch einmal therapieren soll. Dass dieser Weg der häufigere ist, zeigt die Indikationsstellung, mit der Viertel stillgelegt werden: In einer deutschen Untersuchung an 25 Vierteln aus zehn nordrhein-westfälischen Betrieben stand in 17 Fällen eine rezidivierende Mastitis dahinter, in einem einzigen eine Zitzenläsion.1 Wer nur den Tritt im Blick hat, arbeitet an der selteneren Ursache.

Eine Einschränkung vorweg: Wie häufig Dreistrichkühe in deutschen Herden stehen, ist nicht belegt – es gibt dazu keine Erhebung, weder aus der Milchleistungsprüfung noch aus der Bestandsbetreuung, sondern nur Klinikpopulationen und einzelbetriebliche Auswertungen. Wer hier eine Zahl nennt, schätzt.

Die Größenordnung am anderen Ende lässt sich belegen. Im Kontrolljahr 2024/25 entfielen im vit-Gebiet 12,8 Prozent aller Abgänge auf Euterkrankheiten und 2,5 Prozent auf Melkbarkeit – dritter Platz hinter Unfruchtbarkeit und Klauen. Der Anteil steigt mit dem Herdenniveau von 7,8 Prozent in Herden bis 6.999 kg auf 13,7 Prozent über 10.000 kg.2 Wer das Leistungsniveau anhebt, hebt die Euterproblematik mit an.

 

Vorbeugen: die Stellschrauben im Stall

Über die Dreistrichkuh wird meist geredet, wenn sie schon dasteht. Der Betrieb hat vorher aber mehr Einfluss als nachher, verteilt auf vier Felder: Melktechnik, Zitzenkondition, Bewegungssicherheit und Trockenstellen. Die Melktechnik hat die härtesten Zahlen – und ist das Feld, an dem auf vielen Betrieben seit Jahren nichts verstellt wurde.

Die Abnahmeschwelle zuerst. Eine Übersichtsarbeit zu Melkmaschineneinstellungen fasst zusammen, dass eine Abnahme bei 400 oder 600 Gramm Milchfluss je Minute die Melkdauer verkürzt, ohne Milchmenge oder -zusammensetzung negativ zu beeinflussen; eine Abschaltschwelle von 800 gegenüber 200 Gramm je Minute verringerte Gewebeverdickung und Hyperkeratose am Zitzenende erheblich.3 Übersetzt: Die meisten Anlagen melken zu lange nach, und das kostet Zitzengewebe, ohne Milch zu bringen. Dieselbe Arbeit nennt mindestens 30 bis 32 Kilopascal Systemvakuum, eine Entlastungsphase der Pulsation von mindestens 150 Millisekunden und einen Lufteinlass im ISO-Bereich von 4 bis 12 Litern je Minute.

Zitzenkondition ist ein Frühindikator, kein Schönheitsthema. Ein systematischer Review über 18 Arbeiten kommt zu dem Schluss, dass schwere Hyperkeratose am Zitzenende ein Risikofaktor für klinische wie subklinische Mastitis ist. Berichtet werden unter anderem eine 2,28-fache Chance für klinische Mastitis und eine 6,01-fache für Mastitis durch Escherichia coli; für milde bis mittlere Verhornung fand sich dagegen ein eher günstiger Zusammenhang mit der Zellzahl.4 Nicht jede Verhornung ist also ein Problem – die schwere ist es. Erheben lässt sich das ohne Gerät: zwanzig Zitzen unmittelbar nach dem Abnehmen, einmal im Monat, immer dieselbe Gruppe.

Beim Thema Bewegungssicherheit wird die Datenlage dünner. Eine deutschsprachige Schrifttumsübersicht zur Vorbeuge von Zitzenverletzungen nennt einen fest sitzenden Eutersitz oberhalb des Sprunggelenks, trittsicheren Boden, komfortable Liegeflächen, die Vermeidung von Stoffwechselstörungen, regelmäßige Klauenpflege, gewartete Melktechnik, das Unterlassen von Blindmelken sowie Euternetze und Fesselringe.5 Die Arbeit stammt aus 2002 und quantifiziert keine Risikomaße. Eine peer-reviewte Arbeit, die Liegeboxenmaße oder Bodenbeschaffenheit gegen das Risiko mechanischer Zitzenverletzungen rechnet, habe ich nicht gefunden. Die Maßnahmen sind plausibel und in der Beratung üblich – belegt im Sinne einer quantifizierten Risikoreduktion sind sie nicht.

DIE STELLSCHRAUBEN VOR DEM SCHADEN

1  Abnahme früher schalten

400 bis 600 Gramm je Minute kosten keine Milch. Wer bei 200 Gramm abnimmt, melkt Zitzengewebe leer statt Euter. Die Einstellung steht im Steuergerät und ist in fünf Minuten geändert – gemeinsam mit dem Melktechniker, nicht im Alleingang.

2  Die Anlage prüfen lassen und die Zahlen aufschreiben

Systemvakuum, Entlastungsphase der Pulsation, Lufteinlass. Der Prüfbericht gehört in den Ordner. Ohne Vorwert lässt sich beim nächsten Mal nicht sagen, ob sich etwas verändert hat.

3  Blindmelken abstellen

Ansetzen erst bei Milchfluss, kein Nachmelken von Hand am leergemolkenen Viertel. Kein Technikproblem, sondern eine Frage der Arbeitsanweisung im Melkstand.

4  Zitzenenden monatlich scoren

Zwanzig Zitzen direkt nach dem Abnehmen, immer dieselbe Gruppe, Ergebnis auf einen Zettel. Steigt der Anteil schwerer Verhornung, ist das ein Signal an die Melktechnik – lange bevor die Zellzahl reagiert.

5  Boden, Klauen, Stoffwechsel

Trittsicherheit im Treibegang und am Fressgitter, regelmäßige Klauenpflege, keine wackeligen Kühe. Eine Kuh, die sicher aufsteht, tritt sich seltener selbst auf die Zitze.

6  Trockenstellen als eigenen Arbeitsgang behandeln

Auf 765 deutschen Betrieben lag das Neuinfektionsrisiko über die Trockenperiode im Median bei 24 Prozent im Norden, 25 Prozent im Osten und 8 Prozent im Süden, bei sehr großer Streuung zwischen den Betrieben.6 Die Streuung ist die Botschaft: Der Betriebsunterschied ist größer als der Regionsunterschied.

Belegt sind die Punkte 1, 2, 4 und 6. Die Punkte 3 und 5 stammen aus einer Schrifttumsübersicht ohne quantifizierte Risikomaße – fachlich unstrittig, aber ohne Effektgröße.

 

Züchterisch fassbar ist vor allem der Eutersitz. An 29.284 französischen Holstein-Erstlaktierenden waren Eutertiefe, Vordereuteraufhängung und Euterbalance günstig mit Zellzahlscore und klinischer Mastitis assoziiert, mit genetischen Korrelationen zwischen −0,29 und −0,46.7 Die Heritabilitäten der deutschen Zuchtwertschätzung sind brauchbar: Eutertiefe 0,33, Strichplatzierung vorne 0,26, hinten 0,23.8 Dass ein tiefes Euter häufiger getreten wird, ist dagegen naheliegend, aber nicht quantifiziert. Der züchterische Weg ist ohnehin der langsame – für die Kuh, die morgen früh mit Blut am Melkzeug steht, ist er ohne Belang.

Die Abnahmeschwelle ist die billigste Vorbeugemaßnahme im ganzen Betrieb. Sie kostet fünf Minuten am Steuergerät.

 

Die Zitzenverletzung: das Zeitfenster entscheidet

Die belastbarste deutsche Datengrundlage zur akuten Zitzenverletzung stammt aus der Klinik für Klauentiere der Universität Leipzig: 120 Zitzenverletzungen bei 116 Deutsch-Holstein-Kühen, Mai 2012 bis Juli 2017. Bei 70,8 Prozent war der Verschlussapparat beteiligt.9 87,4 Prozent der behandelten Zitzen waren nach der Ausheilung melkbar, 7,2 Prozent wurden amputiert.10

Diese Zahl wird gern als Entwarnung gelesen. Sie ist keine. Bei der Nachfrage nach mindestens 700 Tagen waren 21,5 Prozent der chirurgisch versorgten Tiere wegen Problemen mit dieser Zitze oder dem zugehörigen Viertel geschlachtet worden.11 Die Zitze lässt sich fast immer erhalten, und trotzdem verlässt gut jede fünfte operierte Kuh die Herde später aus genau diesem Grund. Es sind zudem Patientinnen einer Universitätsklinik: Vorgestellt wird, wo sich der Weg in die Klinik lohnt.

Der Hebel liegt vor der Klinik. In einer prospektiven Studie an 106 laktierenden Kühen war das Risiko einer Fistelbildung 8,3-fach erhöht, wenn die Zitze erst 48 bis 72 Stunden nach der Verletzung genäht wurde statt innerhalb von 24 Stunden. Nahtmaterial und Nahttechnik hatten dagegen keinen Einfluss.12 Die Arbeit stammt aus dem Iran und aus einem Weidesystem; die absolute Höhe des Risikos ist nicht auf deutsche Laufstallherden übertragbar, die Richtung sehr wohl. Was zählt, ist die Stunde, nicht das Nahtmaterial. Wer am Freitagabend eine blutende Zitze sieht und auf Montag wartet, hat über den Ausgang bereits entschieden.

DIE ERSTEN STUNDEN NACH EINER ZITZENVERLETZUNG

1  Erkennen, bevor gemolken wird

Blut am Melkzeug, Milch aus einer Wunde, Ausweichen beim Ansetzen. Wer erst beim Abnehmen hinsieht, hat das Zeitfenster oft schon halb verbraucht.

2  Tierarzt am selben Tag, nicht am nächsten

Die Datenlage stützt die Versorgung innerhalb von 24 Stunden; eine Verzögerung auf 48 bis 72 Stunden war mit deutlich häufigerer Fistelbildung verbunden. Hier bestimmt der Betrieb den Ausgang, nicht die Klinik.

3  Das Tier aus der Herde nehmen

Eine blutende Zitze in der Gruppe wird ein zweites Mal getreten. Ein ruhiger Einzelstand mit trockener Liegefläche kostet nichts und verhindert den Folgeschaden, während auf den Tierarzt gewartet wird.

4  Das Viertel nicht sich selbst überlassen

Milchstau erhöht Druck auf die Wunde und Schmerz. Regelmäßiges, kontrolliertes Entleeren – von Hand und in ein eigenes Gefäß – gehört zur Erstversorgung, nicht erst zur Nachsorge.

5  Zellzahl des Viertels vor dem Eingriff erfassen

Eine hohe Zellzahl bei Einlieferung war in einer Schweizer Auswertung prognostisch ungünstig für die restliche Laktation. Ohne Viertelgemelksprobe fehlt zudem der Vergleichswert für später.13

6  Die ersten zehn Tage nach der Operation eng kontrollieren

Entzündungszeichen in diesem Zeitraum waren in derselben Auswertung ebenfalls prognostisch ungünstig. In diesen Tagen entscheidet sich, ob das Viertel funktionell bleibt – und in diesen Tagen wird im Betriebsalltag am ehesten nicht hingesehen.

Der Ablauf ersetzt keine tierärztliche Indikationsstellung. Er sortiert, was in der Hand des Melkpersonals liegt, und gehört als Aushang in den Melkstand – dort fällt die Entscheidung.

 

An 100 schwermelkbaren Zitzen lagen Höchstmilchfluss, Durchschnittsmilchfluss und Milchmenge vor dem Eingriff bei 20, 14 und 53 Prozent der Werte gesunder Vergleichszitzen; sechs Monate danach bei 79, 76 und 71 Prozent.14 Eine erhebliche Verbesserung – und der Beleg, dass das Ausgangsniveau nicht wieder erreicht wird. Wer nach einer Zitzenoperation die alte Leistung einplant, plant falsch.

Und die Amputation? Sie ist nicht zwangsläufig das Ende. In einer kanadischen Auswertung an 22 Kühen mit distaler Zitzenteilamputation standen von den 18 nachverfolgbaren Tieren 13 – 72 Prozent – zu Beginn der Folgelaktation noch in der Herde.15 Die Stichprobe ist klein, taugt als Größenordnung aber und widerspricht der Annahme, eine Amputation sei gleichbedeutend mit der Schlachtung.

 

Wenn die Entzündung nicht ausheilt

Beim häufigeren zweiten Weg liegt die entscheidende Zahl nicht bei der bakteriologischen Heilung, sondern bei der Vollheilung – und der Abstand zwischen beiden ist groß. In einer Auswertung von 2.883 klinischen Mastitisfällen auf zwölf norddeutschen Betrieben lag die bakteriologische Heilungsrate bei 73,3 Prozent, die Vollheilungsrate bei 21,4 und die Rezidivrate bei 18,8 Prozent.16 Erregerspezifisch reicht die bakteriologische Heilung von 44,7 Prozent bei Staphylococcus aureus bis 87,1 Prozent bei coliformen Erregern.17

Der Befund dahinter: Der Erreger ist in drei von vier Fällen weg – das Viertel ist es in vier von fünf Fällen nicht. Zurück bleibt ein Viertel mit erhöhter Zellzahl, das erneut erkranken kann. Für die Praxis heißt das: Die Erfolgskontrolle nach einer Mastitisbehandlung darf nicht bei der klinischen Besserung enden. Wer nach drei Wochen keine Kontrollprobe zieht, erfährt von der chronischen Infektion erst beim nächsten Schub.

Eine Arbeit aus Belgien und den Niederlanden an 117 klinischen Mastitisfällen zeigt, wie oft die Leistung nicht zurückkommt: Nur 47 Prozent der entzündeten Viertel erreichten innerhalb von vier Wochen wieder die erwartete Milchmenge, bei den nicht entzündeten Vierteln derselben Kühe waren es 68 Prozent.18 Dass der Verlust irreversibel wäre, belegt das nicht – vier Wochen sind keine Laktation. Eine Arbeit, die Dreistrichkühe über eine vollständige Laktation verfolgt, gibt es nach meiner Recherche nicht.

Wird ein Viertel gezielt stillgelegt, funktioniert das unvollständiger als angenommen. In einem randomisierten dänischen Feldversuch mit 70 Kühen waren um Tag 40 noch 35 Prozent der trockengestellten Viertel nicht atrophiert und nur 6 Prozent vollständig trocken; um Tag 10 traten vermehrt Schwellung, Verhärtung und Schmerzanzeichen auf.19 Ein Viertel stillzulegen ist also kein Weglassen, sondern ein Eingriff mit eigenem Verlauf. Er gehört terminiert, dokumentiert, in den ersten zwei Wochen täglich kontrolliert – und möglichst nicht in die Hochlaktation gelegt.

 

Was drei Viertel leisten – und was das kostet

Hier weicht die verbreitete Darstellung am weitesten von der Datenlage ab. Der Satz, die verbliebenen Viertel übernähmen einen Teil der Milchproduktion, ist richtig – nur kleiner gemeint, als er klingt. In einer Kieler Arbeit, bei der einzelne Viertel zwölf Tage nicht gemolken wurden, fiel die Tagesleistung je Kuh beim Melken von drei Vierteln auf 75 Prozent; die weiter gemolkenen Viertel steigerten ihre Leistung um 4 Prozent je Viertel.20

Vier Prozent je Viertel. Das ist die belegte Größenordnung – nicht ein Drittel, nicht die Hälfte. Die Kuh landet bei rund drei Vierteln ihrer vorherigen Leistung, also dort, wo die reine Viertelarithmetik sie ohnehin erwarten lässt. Die Daten stammen aus einem Kurzzeitversuch des Jahres 1990; für heutige Leistungsniveaus ist das ein Vorbehalt, den man mitnennen muss.

Kompensation gibt es. Sie ist zeitabhängig, laktationsabhängig – und sie ist Teilkompensation, nie Ersatz.

Das Feld liefert die Zahl, mit der sich rechnen lässt. Im dänischen Feldversuch lag der Leistungsverlust der Kühe mit trockengestelltem Viertel im Mittel 4,1 kg je Tag über dem der Kontrollkühe, bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,1 bis 5,0 kg. Das größte Kompensationsvermögen zeigten mehrkalbige Kühe in der Frühlaktation.21

Berechnet: Eine Kuh verliert am 120. Laktationstag ein Viertel. Bis zum 305. Tag bleiben 185 Melktage. Mit 4,1 kg Mehrverlust je Tag ergibt das 759 kg Milch, über das Konfidenzintervall gerechnet 574 bis 925 kg. Bei 45 Cent Milchgeld je Kilogramm entspricht das 342 Euro, in der Spanne 258 bis 416 Euro.22 Das ist weniger, als viele erwarten – und der Grund, warum die Dreistrichkuh selten allein am Milchverlust scheitert. Sie scheitert an dem, was daneben steht: Zellzahl, Arbeitszeit im Melkstand, Melksystem. Die Zahl stammt aus dänischen Biobetrieben und betrifft gezielt trockengestellte Viertel, nicht den akuten Verletzungsfall. Wer Viertelmilchmengen aus dem Melksystem hat, setzt die tatsächliche Leistung des Viertels ein – dann wird aus der Orientierungsgröße eine Betriebszahl.

SO RECHNEN SIE ES FÜR IHRE KUH

Schritt 1  Resttage bestimmen

Vom heutigen Laktationstag bis zu dem Tag, an dem diese Kuh auf diesem Betrieb tatsächlich trockengestellt würde – nicht bis zum Laktationsende laut Lehrbuch.

Schritt 2  Täglichen Verlust ansetzen

Mit Viertelmilchmengen aus dem Melksystem: die tatsächliche Leistung des betroffenen Viertels in den letzten vier Wochen vor dem Ausfall. Ohne: 4,1 kg je Tag als Orientierung, bewusst mit der Spanne 3,1 bis 5,0 kg gerechnet.

Schritt 3  Mit dem eigenen Milchgeld multiplizieren

Auszahlungspreis, nicht Erzeugerpreis-Durchschnitt. Wer Zellzahlzuschläge bezieht, rechnet mit dem Preis, der bei der zu erwartenden Zellzahl gilt – nicht mit dem heutigen.

Schritt 4  Das Zellzahlrisiko dagegenhalten

Drei Viertel tragen künftig die gesamte Milchmenge, eine Neuinfektion schlägt stärker durch als vorher. Dieser Posten lässt sich nicht seriös in Euro beziffern, gehört aber benannt, bevor gerechnet wird.

Schritt 5  Gegen die Remonte rechnen

Was kostet die Färse, die tatsächlich zur Verfügung steht – nicht die, die theoretisch zur Verfügung stünde? Und was leistet sie in der ersten Laktation gegenüber dieser Kuh mit drei Vierteln? Wer für die Färse keine belastbare Zahl hat, hat auch für die Dreistrichkuh keine.

Die Rechnung entscheidet nichts allein. Sie sorgt dafür, dass die Entscheidung nicht am Anblick des Euters hängt, sondern an Zahlen.

 

Welches Viertel ausfällt, macht einen Unterschied. In einer litauischen Auswertung an 229 Kühen an Melkrobotern entfielen 2016 auf die Vorderviertel 42,2 und auf die Hinterviertel 57,8 Prozent der Milchmenge.23 Eine polnische Arbeit an 1.891 Erstlaktierenden beziffert den Unterschied auf rund 1 kg mehr je Hinterviertel bei 28,5 kg Tagesleistung.24 Der Abstand fällt je nach Population unterschiedlich aus, die Richtung ist stabil – und ausgerechnet die Hinterviertel sind bei Zitzenverletzungen die häufiger betroffenen. Wer Schritt 2 ohne Viertelmilchmengen angeht, rechnet bei einem Hinterviertel deshalb am oberen Ende der Spanne.

 

Mit der Dreistrichkuh leben

Bleibt die Kuh, ändert sich der Alltag an mehreren Stellen – die wichtigste ist unsichtbar. Mit dem Viertel ändert sich die Rechengrundlage der Zellzahl: Die Zellzahl des Gesamtgemelks ist kein Mittelwert über vier Viertel, sondern ein nach den Viertelmilchmengen gewichtetes Mittel.25

Daraus folgen zwei Dinge. Fällt ein chronisch infiziertes Viertel mit hoher Zellzahl aus der Rechnung, sinkt die Gesamtgemelkszellzahl der Kuh – auch wenn sich am Zustand der übrigen drei nichts verbessert hat. Und die Milchmenge, über die die Zellen der verbleibenden Viertel verteilt werden, ist kleiner geworden; eine Erhöhung schlägt stärker durch als zuvor.

Für die Bestandsbetreuung heißt das: Eine Dreistrichkuh gehört nach dem Wegfall des Viertels neu bewertet, nicht anhand ihrer alten Zellzahlhistorie. Wer sie nur über die Gesamtgemelkszellzahl überwacht, sieht eine Verbesserung, die keine ist, und übersieht eine Verschlechterung, die eine ist. Praktisch: neuen Ausgangswert festhalten und die Aufmerksamkeitsgrenze darauf beziehen – nicht auf den Herdengrenzwert.

Der Schalmtest gehört dazu, hat aber Grenzen. In einer Untersuchung an 520 Vierteln von 131 Kühen lag die Sensitivität des Schalmtests am dritten Tag nach der Kalbung bei 56,7 Prozent für beliebige Erreger und 66,7 Prozent für Major Pathogens, die Spezifität bei rund 55 Prozent.26 Als Screening ist er schnell und brauchbar, als Freispruch taugt er nicht. Bei der Dreistrichkuh also: Schalmtest bei jeder Gelegenheit, an der man ohnehin am Euter steht – und zusätzlich eine bakteriologische Viertelgemelksprobe, wenn über den Verbleib entschieden wird oder trockengestellt werden soll.

Eine Entwarnung gibt es: Nach einer deutschen Untersuchung an 16 Betrieben mit 1.126 Kühen erhöhte ein infiziertes Viertel das Neuinfektionsrisiko der übrigen Viertel derselben Kuh nicht.27 Die Dreistrichkuh ist also keine wandernde Infektionsquelle für ihr eigenes Euter. Sie ist eine Kuh mit geringerer Reserve.

DIE DREISTRICHKUH IM ALLTAG

Sichtbar kennzeichnen – am Tier und im Programm

Eine farbige Markierung, die jeder Melker vor dem Ansetzen sieht, und ein Eintrag im Herdenmanagementprogramm. Aushilfen und Urlaubsvertretungen kennen die Kuh nicht, und ein einziges falsch angesetztes Melkzeug reicht.

Das Viertel nicht mitmelken

Melkbecher blindstecken oder Viertel abschalten, kein Nachmelken von Hand. Blindmelken ist in der Literatur ausdrücklich als Risikofaktor benannt – hier an einem ohnehin vorgeschädigten Viertel.

Viertelgemelkszellzahlen statt Gesamtgemelk

Der Gesamtgemelkswert täuscht bei diesen Tieren in beide Richtungen. Wer keine viertelgetrennten Werte erhebt, überwacht die falsche Größe.

Neue Aufmerksamkeitsgrenze festlegen

Ausgangswert nach dem Ausfall des Viertels notieren, Grenze auf diesen Wert beziehen. Der alte Verlauf der Kuh ist als Vergleichsmaßstab wertlos geworden.

Leistungserwartung korrigieren

Rund drei Viertel des vorherigen Niveaus, bei einem Hinterviertel eher weniger. Wer die Kuh weiter an ihrer alten Laktationskurve misst, merzt sie aus dem falschen Grund.

Vor der Entscheidung mit dem Melksystem klären

Ob und wie sich ein einzelnes Viertel an der eigenen Anlage dauerhaft deaktivieren lässt, beantwortet der Servicepartner – schriftlich, bevor die Kuh bleibt. Am Roboter kommt hinzu, ob das Ansetzen mit drei Vierteln stabil funktioniert.

Der Aufwand je Tier ist gering. Er fällt aber täglich an, und an Stellen, an denen niemand nachfragt – deshalb gehört er aufgeschrieben.

 

[ Abbildung einfügen: Euter einer Dreistrichkuh, betroffenes Viertel erkennbar ]

Abb. 1: Bei guter Eutergesundheit der verbleibenden Viertel kann eine Dreistrichkuh über mehrere Laktationen wirtschaftlich bleiben. Entscheidend ist nicht das fehlende Viertel, sondern der Zustand der drei anderen.

 

Die Entscheidung: bleiben oder gehen

Eine Dreistrichkuh ist kein Merzungsgrund, sondern eine Kuh mit veränderter Kalkulationsgrundlage. Die Frage lautet nicht, ob sie ein Viertel verloren hat, sondern ob sie mit drei Vierteln besser ist als die Färse, die an ihre Stelle träte. Vergleichsmaßstab ist der erwartete Rest ihrer eigenen Nutzungsdauer – im vit-Gebiet lag diese bei den gemerzten Kühen 2024/25 bei 38,2 Monaten, die Lebensleistung bei 31.691 kg.28 Eine Kuh in der zweiten Laktation mit drei gesunden Vierteln steht darin anders da als eine in der fünften mit erhöhter Zellzahl.

–  Welches Viertel ist ausgefallen – vorne oder hinten, und wie viel Milch hat es zuletzt tatsächlich gegeben?

–  Wie sind die Zellzahlen der drei verbleibenden Viertel, einzeln gemessen und nicht aus dem Gesamtgemelk abgeleitet?

–  In welchem Laktationsstadium und in welcher Laktation steht die Kuh?

–  Wie tragfähig ist sie außerhalb des Euters – Fruchtbarkeit, Klauen, Stoffwechsel?

–  Wie hoch ist ihr Zuchtwert, und steht oder entsteht von ihr Nachzucht im Bestand?

–  Gibt es einen Aufzuchtplatz und eine Färse, die tatsächlich zur Verfügung steht?

–  Wird das Melksystem mit ihr zurechtkommen – und zu welchem Aufwand?

Zum letzten Punkt eine ehrliche Auskunft: Ob und wie sich an den gängigen Melkrobotersystemen ein einzelnes Viertel dauerhaft deaktivieren lässt, ließ sich in dieser Recherche nicht aus einer belastbaren, datierten Quelle klären; die Herdenmanagement-Dokumentation der Hersteller ist nicht öffentlich. Wer vor der Entscheidung steht, fragt den eigenen Servicepartner und lässt sich die Antwort schriftlich geben. Belegt ist, dass das Ansetzen an der Zitzenanordnung hängt und sich Euterexterieurmerkmale aus den Zitzenkoordinaten des Roboters mit Heritabilitäten zwischen 0,37 und 0,67 schätzen lassen – deutlich höher als aus der Einstufung.29

 

Fazit: Belegt, berechnet, offen

Belegt sind vier Aussagen. Erstens: Der häufigere Weg zum stillgelegten Viertel ist nicht die Verletzung, sondern die Entzündung, die bakteriologisch abheilt und zytologisch nicht. Zweitens: Bei der Verletzung entscheidet die Stunde, nicht das Nahtmaterial – und der Erhalt der Zitze ist nicht gleichbedeutend mit dem Verbleib der Kuh. Drittens: Die Kompensation liegt in der Größenordnung von 4 Prozent je Viertel. Viertens: Eine früher geschaltete Abnahme bei 400 bis 600 Gramm je Minute kostet keine Milch und schont das Zitzengewebe messbar.

Berechnet, nicht gemessen, ist alles, was daraus für den einzelnen Betrieb folgt – Milchgeldrechnung, Vergleich mit der Remonte, Effekt auf die Herdenzellzahl. Diese Rechnungen sind nur so gut wie die Viertelgemelksdaten, die in sie eingehen. Wer keine hat, entscheidet nach Gefühl.

Offen bleibt dreierlei: Wie häufig Dreistrichkühe in deutschen Herden stehen, ist nicht erhoben. Wie sich ihre Leistung über eine vollständige Laktation entwickelt, ist nicht untersucht – alle verfügbaren Arbeiten enden nach Wochen. Und welchen Anteil Stallbau und Boden am Risiko mechanischer Zitzenverletzungen haben, ist nicht quantifiziert. Alle drei Lücken betreffen Fragen, die im Stall täglich entschieden werden.

Nicht das fehlende Viertel entscheidet über den Verbleib der Kuh, sondern der Zustand der drei anderen.

 

FUSSNOTEN UND QUELLEN

1  Tho Seeth, M.; Wente, N.; Paduch, J.-H.; Klocke, D.; Hoedemaker, M.; Krömker, V. (2016): Drying-off single udder quarters of dairy cattle during lactation using a casein hydrolysate. Milk Science International – Milchwissenschaft 69(5), 23–26. Indikationen: rezidivierende Mastitis n = 17, hohe Zellzahl n = 3, zu geringe Leistung n = 3, beides n = 1, Zitzenläsion n = 1. Bezugspopulation: 25 Viertel von 25 Kühen (22 Deutsche Holstein, 3 Fleckvieh) auf zehn Betrieben in Nordrhein-Westfalen.

2  vit w.V.: Trends · Fakten · Zahlen 2025 (Jahresbericht), Kapitel Milchleistungsprüfung, Tabelle „Abgänge in Abhängigkeit vom Herdenniveau“, S. 17. Bezugsperiode: Kontrolljahr 2024/25, Grundgesamtheit 503.259 Abgänge. Bezugspopulation: vit-Gebiet – Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz-Saar, Luxemburg, Berlin-Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen –, alle MLP-Rassen. Es handelt sich nicht um eine gesamtdeutsche Statistik.

3  Odorčić, M.; Rasmussen, M. D.; Paulrud, C. O.; Bruckmaier, R. M. (2019): Review: Milking machine settings, teat condition and milking efficiency in dairy cows. Animal 13(S1), s94–s99. DOI 10.1017/S1751731119000417. Übersichtsarbeit ohne eigene Bezugspopulation; die genannten Werte fassen Ergebnisse mehrerer Einzelstudien zusammen.

4  Pantoja, J. C. F.; Correia, L. B. N.; Rossi, R. S.; Latosinski, G. S. (2020): Association between teat-end hyperkeratosis and mastitis in dairy cows: A systematic review. Journal of Dairy Science 103(2), 1843–1855. DOI 10.3168/jds.2019-16811. Eingeschlossen wurden 18 Arbeiten (8 prospektive Kohortenstudien, 9 Querschnittsstudien, 1 hybride Fall-Kontroll-Studie). Die genannten Chancenverhältnisse stammen aus einzelnen eingeschlossenen Arbeiten, nicht aus einer Metaanalyse; eine gepoolte Effektschätzung wird im Review nicht ausgewiesen.

5  Geishauser, T.; Querengässer, K. (2002): Vorbeuge von Zitzenverletzungen bei Milchkühen – eine Schrifttumsübersicht. Der Praktische Tierarzt 83, 997–1005. Schrifttumsübersicht ohne eigene Erhebung und ohne quantifizierte Risikomaße. Die Heftnummer ließ sich aus dem Verlagsverzeichnis nicht zweifelsfrei klären; Erscheinungsmonat November 2002.

6  Böker, A. R.; Merle, R.; Do Duc, P.; Hentzsch, A.; Stock, A.; Reichmann, F.; Bartel, A.; Woudstra, S.; Hoedemaker, M. (2025): Drying-off practices and cell count-based new infection and cure risk over the dry period on 765 German dairy farms. JDS Communications 7(2), 227–232. DOI 10.3168/jdsc.2025-0782. Bezugspopulation: 765 Betriebe in Nord-, Ost- und Süddeutschland; Bezugsperiode 2016 bis 2019.

7  Rupp, R.; Boichard, D. (1999): Genetic parameters for clinical mastitis, somatic cell score, production, udder type traits, and milking ease in first lactation Holsteins. Journal of Dairy Science 82(10), 2198–2204. DOI 10.3168/jds.S0022-0302(99)75465-2. Bezugspopulation: 29.284 französische Holstein-Kühe in erster Laktation.

8  vit w.V. (2026): Zuchtwertschätzbeschreibung Milchrind, Stand August 2026, Tabelle 10, S. 23. Bezugspopulation: 3.100.189 beurteilte schwarzbunte Kühe in erster Laktation, Daten ab 1. Januar 2000. vit führt die Merkmale als Eutertiefe, Strichlänge und Strichplatzierung vorne beziehungsweise hinten; die in der Fachpresse gebräuchliche Bezeichnung „RZEuter“ existiert dort nicht.

9  Kaiser, M.; Starke, A. (2020): Zitzenverletzungen – retrospektive Datenauswertung von 116 Deutsch-Holstein-Kühen. Tierärztliche Praxis Ausgabe G: Großtiere/Nutztiere 48(6), 367–377. DOI 10.1055/a-1274-9011. Bezugspopulation: Patientinnen der Klinik für Klauentiere der Universität Leipzig; Bezugsperiode Mai 2012 bis Juli 2017.

10  Wie Fußnote 9, Zusammenfassung. Bezugsgröße der Prozentangaben ist die Zahl der behandelten Zitzen, nicht die Zahl der 120 dokumentierten Verletzungen.

11  Wie Fußnote 9, Zusammenfassung; Nachverfolgung nach mindestens 700 Tagen. Von den konservativ versorgten Tieren wurden 2 von 4 – 50 Prozent – aus demselben Grund geschlachtet.

12  Azizi, S.; Rezaei, F.; Saifzadeh, S.; Dalir-Naghadeh, B. (2007): Associations between teat injuries and fistula formation in lactating dairy cows treated with surgery. Journal of the American Veterinary Medical Association 231(11), 1704–1708. DOI 10.2460/javma.231.11.1704. Bezugspopulation: 106 laktierende Kühe in Weidehaltung, Urmia University, Iran – nicht auf deutsche Laufstallhaltung übertragbar.

13  Bleul, U. T.; Schwantag, S. C.; Bachofner, C.; Hässig, M. R.; Kähn, W. K. (2005): Milk flow and udder health in cows after treatment of covered teat injuries via theloresectoscopy: 52 cases (2000–2002). Journal of the American Veterinary Medical Association 226(7), 1119–1123. DOI 10.2460/javma.2005.226.1119. Bezugspopulation: 52 Kühe der Universität Zürich, Bezugsperiode 2000 bis 2002; 49 auswertbare Nachbefragungen.

14  Querengässer, J.; Geishauser, T.; Querengässer, K.; Bruckmaier, R. M.; Fehlings, K. (2002): Investigations on milk flow and milk yield from teats with milk flow disorders. Journal of Dairy Science 85(4), 810–817. DOI 10.3168/jds.S0022-0302(02)74140-4. Bezugspopulation: 100 schwermelkbare Zitzen von 97 Kühen; Messung mit dem Lactocorder vor der Operation und sechs Monate danach.

15  Klostermann, C. A.; Babkine, M.; Desrochers, A.; Lardé, H.; Nichols, S. (2024): Distal teat amputation for distal papillary canal injuries in lactating dairy cows. Journal of the American Veterinary Medical Association 263(2), 199–207. DOI 10.2460/javma.24.05.0313. Bezugspopulation: 22 laktierende Kühe, Farm Animal Hospital der Université de Montréal, Kanada; Bezugsperiode 2015 bis 2021; Langzeitnachverfolgung für 18 der 22 Tiere über das Canadian Dairy Network.

16  Schmenger, A.; Krömker, V. (2020): Characterization, cure rates and associated risks of clinical mastitis in Northern Germany. Veterinary Sciences 7(4), 170. DOI 10.3390/vetsci7040170. Bezugspopulation: 2.883 klinische Mastitisfälle auf zwölf Betrieben in Norddeutschland; Bezugsperiode 2014 bis 2018.

17  Wie Fußnote 16, erregerspezifische bakteriologische Heilungsraten.

18  Song, Y.; D’Anvers, L.; Gote, M. J.; Adriaens, I.; Aernouts, B. (2025): Quarter-level milk yield recovery following clinical mastitis: associations with milk loss, somatic cell count, clinical severity, and pathogens. Agriculture 15(17), 1805. DOI 10.3390/agriculture15171805. Bezugspopulation: drei Betriebe mit automatischem Melksystem in Belgien und den Niederlanden; 117 klinische Mastitisfälle bei 96 Kühen in 104 Laktationen; Bezugsperiode Januar 2019 bis August 2021. Vergleichswert nicht entzündeter Viertel: 203 von 299 Vierteln.

19  Skarbye, A. P.; Krogh, M. A.; Sørensen, J. T. (2018): The effect of individual quarter dry-off in management of subclinical mastitis on udder condition and milk production in organic dairy herds: a randomized field trial. Journal of Dairy Science 101(12), 11186–11198. DOI 10.3168/jds.2018-14794. Bezugspopulation: fünf ökologisch wirtschaftende Betriebe in Dänemark, 70 Kühe, randomisiert kontrolliert.

20  Hamann, J.; Reichmuth, J. (1990): Compensatory milk production within the bovine udder: effects of short-term non-milking of single quarters. Journal of Dairy Research 57(1), 17–22. DOI 10.1017/S002202990002656X. Bezugspopulation: acht hochleistende Kühe und acht Erstlaktierende, Bundesanstalt für Milchforschung Kiel; Erhebung vor 1990. Bei einem gemolkenen Viertel fiel die Tagesleistung auf 26 Prozent, bei zwei Vierteln auf 59 Prozent, bei drei Vierteln auf 75 Prozent.

21  Wie Fußnote 19, Milchleistungsverlust und Kompensationspotenzial.

22  Berechnet: eigene Rechnung auf Grundlage des in Fußnote 19 belegten Mehrverlusts von 4,1 kg je Tag (95-Prozent-Konfidenzintervall 3,1 bis 5,0 kg), angesetzt über 185 Melktage vom 120. bis zum 305. Laktationstag, bewertet mit einem frei gewählten Auszahlungspreis von 45 Cent je Kilogramm. Weder der Laktationstag noch der Milchpreis stammen aus einer Quelle; beide sind Rechenannahmen und durch die Werte des eigenen Betriebs zu ersetzen.

23  Mišeikienė, R.; Tušas, S.; Matusevičius, P.; Kerzienė, S. (2019): Quarter milking parameters by lactation in dairy cows. Mljekarstvo 69(2), 108–115. DOI 10.15567/mljekarstvo.2019.0203. Bezugspopulation: 229 Kühe an Melkrobotern in Litauen, 30 Erhebungstage im Jahr 2016. Die Prozentangaben beziehen sich auf je ein Viertelpaar und Melkung.

24  Sitkowska, B.; Siatka, K.; Ghiasi, H.; Piwczyński, D.; Ptak, E. (2025): Estimation of genetic parameters for udder quarters milk yield and milking traits in Holstein cattle. Animal 19(11), 101667. DOI 10.1016/j.animal.2025.101667. Bezugspopulation: 1.891 erstlaktierende Polnische Holstein-Friesian-Kühe der Geburtsjahrgänge 2011 und 2012 auf 23 Betrieben mit automatischem Melksystem; 450.607 Tagesdatensätze.

25  Thurmond, M. C. (1990): A method to estimate the somatic cell count of milk from a mastitic quarter using composite somatic cell count. Canadian Journal of Veterinary Research 54(1), 190–194. Es ist kein DOI vergeben.

26  Sargeant, J. M.; Leslie, K. E.; Shirley, J. E.; Pulkrabek, B. J.; Lim, G. H. (2001): Sensitivity and specificity of somatic cell count and California mastitis test for identifying intramammary infection in early lactation. Journal of Dairy Science 84(9), 2018–2024. DOI 10.3168/jds.S0022-0302(01)74645-0. Bezugspopulation: 131 Kühe mit 520 Vierteln aus drei Versuchsherden in den USA und Kanada; Messung am dritten Tag nach der Kalbung, Schwellenwert Schalmtest größer null. Die Werte gelten für die Frühlaktation und sind nicht ohne Weiteres auf spätere Laktationsstadien übertragbar.

27  Beckmann, A.; Barth, K.; Knappstein, K. (2025): Investigation of quarter-selective dry cow therapy based on bacteriological outcomes on dairy farms. Journal of Dairy Research 92(2), 194–200. DOI 10.1017/S0022029925101234. Bezugspopulation: 16 deutsche Praxisbetriebe, 1.126 Kühe und 1.155 Trockenperioden; Bezugsperiode Februar 2021 bis Dezember 2022.

28  Wie Fußnote 2, S. 18: Nutzungsdauer und Lebensleistung der Merzungen; 438.376 Merzungen bei einem lebenden Bestand von 1.464.579 Kühen.

29  Poppe, M.; Mulder, H. A.; Ducro, B. J.; de Jong, G. (2019): Genetic analysis of udder conformation traits derived from automatic milking system recording in dairy cows. Journal of Dairy Science 102(2), 1386–1396. DOI 10.3168/jds.2018-14838. Bezugspopulation: 70 niederländische Herden, 12.663 Kühe in erster Laktation.

 

ZUM AUTOR

Helmut Demmelhuber ist Unternehmensberater und Holsteinzüchter. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-gestützter Herdenanalyse und Zuchtplanung. Er entwickelt die Werkzeuge Herdenanalyse 360°, Flexi-Herdenindex° und Flexi-Mating°.

Dieser Beitrag argumentiert methodisch und nicht aus eigenen Betriebsfällen. Alle Zahlenangaben sind gegen die im Fußnotenblock genannten Originalquellen geprüft; nicht verifizierbare Angaben wurden weggelassen und die verbleibenden Lücken im Text benannt. Die Rechenbeispiele sind als solche gekennzeichnet und mit den Werten des eigenen Betriebs zu ersetzen.

www.dairytalk.info

 

 
 
 

Kommentare


bottom of page